Leserbrief in der Mallorca Zeitung

19.05.2011 13:21

Leserbrief Mallorca Zeitung Nr. 575

Wenig Unterstuetzung von Tierschuetzern

Das Thema Tierschutz wird auf Mallorca zu hoch bewertet. Mir ist vor 2 Tagen ein Hund zugelaufen. Da habe ich gedacht, bevor er ueberfahren wird, nehme ich ihn mit und rufe bei der Tierhilfe an, die wissen schon, wie es dann weitergeht. Ich habe kaum wen ans Telefon bekommen. Dann wurde auch noch frech geantwortet. Der einzige Tipp war, den Hund auf keinen Fall nach Son Reus zu bringen - da werde er ja eingeschlaefert. Es war aber ein groesserer Hund, den kann ich mit einem vor kurzem operierten Ruecken gar nicht halten, geschweige denn mit ihm zum Tierarzt fahren, um die Zugehoerigkeit zu ueberpruefen. Das Ende der Geschichte ist, dass ich die Polizei angerufen habe und der Hund doch nach Son Reus abtransportiert wurde. Meine Erfahrung in dieser Sache: Bist du nicht prominent, musst du zusehen, wie du klar kommst. Ob man in der Zukunft nochmal tierlieb handeln moechte, ueberlegt man sich zwei Mal.   Ina.K. aus Santa Maria/Bunzola

Antwort in der Mallorca Zeitung Nr. 576

So steht es wirklich um den Tierschutz

Ich weiss nicht, wen Sie versucht haben zu kontaktieren, aber ich moechte Sie ueber die Situation des Tierschutzes auf der Insel und in Ihrer Gemeinde informieren. Weder Bunyola noch Santa Maria verfuegen ueber ein privates Tierheim geschweige ein Gemeindetierheim. Seit Anfang des Jahres muessen die Gemeinden aber gefundene Tiere fuer acht Tage unterbringen, um dem Besitzer die Moeglichkeit zu geben, das Tier abzuholen. So gut wie keine der kleinen Gemeinden hat Stallungen, so dass die Tiere irgendwo meist bei der Polizei in winzigen Zwingern mehr recht als schlecht fuer diese Zeit aufgewahrt werden. Danach kommt die Stiftung Natura Parc, die mit ca. 48 der insgesamt 53 Gemeinden auf der Insel ein Abkommen hat, um die Tiere nach Son Reus zu bringen, wo sie, falls sie keinen Chip haben, mangels Platz eingeschlaefert werden. Dies tut dort niemand gerne, aber da der Politik trotz guter Vorsaetze die Wirtschaftskrise und die Koalitionsprobleme in die Quere kamen, wurde kein Ausweichtierheim gebaut. Die privaten Tierheime sind fast ausschliesslich winzige Vereine, deren Mitarbeiter komplett ehrenamtlich arbeiten und neben ihren Vollzeitjobs in ihrer Freizeit einen kleinen aber wichtigen Beitrag leisten, um das Elend zu lindern. Keiner dieser Tierschutzvereine kann die taeglichen unzaehligen Hilferufe wie dem Ihrigen zufriedenstellend abarbeiten, da weder ausreichend Platz noch Geld noch Manpower vorhanden sind. Daher werden immer alle Personen gebeten, wenn moeglich eine Pflegestelle fuer die gefundenen Tiere zu finden. Den Eindruck, der in der VOX Serie "Hund Katze Maus" vermittelt wurde, ist leider zu positiv ausgefallen. Die meisten Tierschuetzer sind am Rande ihrer Kraefte, viele Engagierte werden sterbenskrank bei all dem Elend, das diese Wenigen zu bewaeltigen haben und Prominente sind oftmals wenig hilfreich, da nur vor der Kamera aktiv. Daher moechten wir an die Schulen, um den Kindern den artgerechten Umgang mit ihren Haustieren zu vermitteln und ihnen dabei Spozialkompetenz zu lehren. Aber auch dafuer benoetigt man Gelder, um an den vielen Schulen in allen Altersklassen dieses Projekt zu verwirklichen, und daran scheiterte es bis jetzt.   Petra Steiner, Binissalem - BALDEA Vorstand

 

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben